Die Geschichte des Tanzens

 

Der Tanz hat seine Ursprünge in religiösen Motiven, wurde aber im Laufe der Jahrhunderte aus der Kirche verbannt und entwickelte sich aus dem Volkstanz weiter in die Bühnentänze - das klassische Ballett gehört dieser Kategorie an - und in die Gesellschaftstänze.

Die ersten Tanzturniere fanden bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts statt, allerdings nur in den Standard Tänzen.
Die erste Latein-Weltmeisterschaft wurde erst 1960 veranstaltet.



Im Altertum war kein Mysterienkult ohne Tanz denkbar. Nach antikem Glauben war der Tanz überhaupt eine Erfindung der Götter. Die Ägypter hatten einen eigenen Tanzgott. Im Hinduismus gilt der Gott "Schiwa" als Tanzkönig.

Auch Judentum und Christentum kannten den sakralen Tanz, doch wurde er von der christlichen Urkirche nicht in ihre Liturgie aufgenommen. Ihr erschien er als Ausdruck heidnischer Frömmigkeit. Im 4. Jahrhundert wurde der Sakraltanz erstmals durch den Hl. Ambrosius untersagt, die kirchlichen Verbote des Mittelalters verbannten die Tanzenden generell aus der Kirche in den Kirchenhof. Durch diese Ausgliederung entstand der Übergang in die Volkstänze.

 
Das einzige Relikt eines kirchlichen Tanzes, das bis heute erhalten geblieben ist, ist die Prozession, die zur Mobilisierung der Kirchengemeinde dient. Bei nichtchristlichen Völkern ist der religiöse Tanz in Form von Schamanentänzen, Voodootänzen, Derwischtänzen, usw. bis heute erhalten geblieben.

Volkstanz ist die Bezeichnung für überlieferte, mit instrumentaler und vokaler Begleitung getanzte Tänze sozialer oder regionaler Gemeinschaften. Der Volkstanz des Mittelalters war der Reigen. Er erreichte im 13. Jahrhundert seine höchste Blüte. Die Anzahl der Volkstänze ist nahezu unüberschaubar, da jedes Land und jede Region ihre eigenen Tanzformen hervorgebracht hat. Die Palette der Volkstänze reicht von Kulttänzen (z.B.Schwerttänze, Geschlechtertänze) über Geschicklichkeits- und Werbetänze (z.B.Limbo aus Trinidad, Schuhplattler aus dem österreichisch-bayrischen Raum, Bauchtanz aus dem Orient) bis zu geselligen Volkstänzen (z.B.Reigen, Square Dance).

 
Mit der Profilierung der höfischen Tänze, vor allem an italienischen Fürstenhöfen im 14. und 15. Jahrhundert, beginnt die Trennung des Volkstanzes vom Gesellschaftstanz - eine typisch europäische Erscheinungsform, die erst mit der Kolonisation auch auf anderen Kontinenten bekannt wurde. Der Gesellschaftstanz besteht aus wenig improvisierbaren Tanzformen, die der Geselligkeit dienen. Vor allem am spanischen und französischen Hof, aber auch in Wien, entwickelte sich der Gesellschaftstanz mit enormer Geschwindigkeit. Seit 1716 gab es in Paris öffentliche Bälle der höheren Gesellschaft, ab dem 18. Jahrhundert gab es Tanzlokale für jedermann.

Seit der Wende zum 20. Jahrhundert bekam der soziale Tanz in Amerika eine andere Bedeutung. Er war nicht mehr nur Ausdruck der schwarzen Bevölkerung, sondern die Tänze afrikanischen Ursprungs wurden als moderne Tanzelemente von den USA und Südamerika nach Europa importiert. Die wichtigsten Vertreter dieser neuen Gesellschaftstänze sind Boston, Tango, Charleston, Rumba und nach dem Zweiten Weltkrieg Jive, Boogie, Rock´n´Roll, Cha-Cha-Cha sowie jede Menge kurzlebiger Modetänze.

 
Geprägt durch die Entwicklung der Unterhaltungsindustrie wurde die Musik und damit die Tanzwelt immer mehr global verbunden - eine nahezu unüberschaubare Vielfalt von Tänzen war die Folge. Aufgrund dieser Fülle sah man sich schon bald gezwungen, eine Ordnung des Schrittmaterials für den Leistungstanz, den Tanzsport, zu schaffen. 1929 wurden erstmals die damaligen neuen Tänze von englischen Tanzlehrern standardisiert. Unabhängig davon wurde 1963 in London im International Council of Ballroom Dancing (ICBD) der Allgemeintanz zu einem Welttanzprogramm reglementiert, das internationale Geltung hat. Dem ICBD gehören alle qualifizierten Tanzschulen in der Welt an.

Zu den 10 Turniertänzen zählen:

  • Die Standardtänze:
    Langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slow Foxtrott, Quickstep
  • Die Lateintänze:
    Samba, Cha-Cha-Cha, Rumba, Paso Doble, Jive